Corona-Umfrage der Uni Hamburg: Unzufriedenheit der Deutschen wächst

Bevölkerung sieht Corona-Management der Politik zunehmend kritisch. Mehrheit für Aufhebung der Impfpriorisierung. Impfbereitschaft nimmt weiter zu
03. Mai 2021
Corona-Impfung

Nachdem die Bevölkerung in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie vor gut einem Jahr bisher überwiegend hinter den Eindämmungsmaßnahmen stand, zeigt sich nun eine Trendumkehr. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Corona-Studie der Universität Hamburg. Demnach sei die Hälfte der Deutschen mit dem Corona-Management in diesem Jahr nicht einverstanden. Auch mit dem aktuellen Impf-Management zeige sich die Mehrheit unzufrieden. Weiterhin anhaltend ist jedoch der positive Trend bei der Impfbereitschaft.

Für die repräsentative Studie unter Leitung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg wurden zwischen dem 2. und 16. April 2021 mehr als 7.000 Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich befragt.

Corona-Studie der Uni Hamburg: Mehrheit hält Corona-Maßnahmen für ineffektiv

In Deutschland sei das Vertrauen in die Informationspolitik der Regierung seit Januar 2021 um acht Prozentpunkte gesunken, so das Ergebnis der Befragung. Die Mehrheit der Deutschen empfinde die aktuellen Maßnahmen als ineffektiv. „Diejenigen, die den Informationen nicht vertrauen, lehnen auch eher eine Impfung ab“, erklärt Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE. Gleiches gelte für Menschen, die sich nur wenig über die Pandemie informieren. Ihre Bereitschaft für eine Impfung liege bei nur 38 Prozent im Vergleich zu gut informierten Personen mit 79 Prozent.

Impfbereitschaft steigt weiter an

Dennoch konnten die Wissenschaftler seit Januar dieses Jahres in fast allen europäischen Ländern eine Zunahme der Impfbereitschaft beobachten. Innerhalb der deutschen Bevölkerung sei der Wert von 62 auf 67 Prozent gestiegen. „In Deutschland sehen wir eine wachsende Bereitschaft zur Impfung insbesondere bei den 25- bis 34-Jährigen, also denjenigen, bei denen die Inzidenz in den vergangenen Wochen besonders hoch war“, so Schreyögg. Schreyögg erhoffe sich zudem eine weitere Erhöhung der Impfbereitschaft durch das bundesweit große Vertrauen in die Hausärzt*innen. Eine Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca lehne allerdings jeder vierte Befragte ab. Wäre eine Wahl des Vakzins möglich, wäre der Impfstoff von Biontech/Pfizer der beliebteste.

Aufhebung der Impf-Reihenfolge

Spätestens im Juni soll nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland die festgelegte Impf-Reihenfolge aufgehoben werden. In der Studie des HCHE sprachen sich sechs von zehn Befragten für das Aufheben der Priorisierung aus. Zudem gaben mehr als 40 Prozent der Menschen an, dass das Corona-Management Einfluss auf ihre Wahlentscheidung nehmen wird. Bei der Forderung nach mehr Freiheiten für Geimpfte und der Aufhebung der Corona-Restriktionen seien die Deutschen im europaweiten Vergleich weiterhin vorsichtig, so das Ergebnis der Umfrage.
tn/sb/kk

Corona-Studie 2020/21

Die Befragung erfolgt als Kooperationsprojekt des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg (HCHE), der Universitäten Nova School of Business and Economics (Portugal), Bocconi University (Italien) und Erasmus University Rotterdam (Niederlande). Für die repräsentative Studie werden seit April 2020 alle zwei Monate mehr als 7.000 Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich befragt. Die aktuellen Ergebnisse beziehen sich auf den Befragungszeitraum zwischen dem 2. und 16. April 2021.

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