Nachhaltiger Urlaub im Green Tiny House – made in Elmshorn

Wie ein Unternehmer aus Elmshorn mit seinen Tiny Houses auf natürliche Materialien und Hightech setzt
29. Juni 2022
Green Tiny House: Ausblick

Urlaub in der nahen Natur statt der Kurztrip auf die Kanaren – Von 2015 bis 2020 wuchs der Bestand an zugelassenen Wohnmobilen in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt um 50 Prozent. Tendenz steigend. Ein Tourismustrend, der sich mit der Corona-Pandemie deutlich verstärkt hat. Doch auch ohne rollende Schlafstätte lockt der Ausflug ans Meer, ins Mittelgebirge oder in die Seenlandschaft. Das Unternehmen Green Tiny Houses in der Metropolregion Hamburg (Elmshorn) setzt dafür auf eigens entwickelte, hölzerne Wohneinheiten. „Unsere Gäste genießen die Natur und erleben zudem, dass Komfort und Nachhaltigkeit vereinbar sind“, sagt Geschäftsführer Jan Sadowsky.

Green Tiny Houses: Nachfrage steigt stetig

Nach dem ersten „Green Tiny Village“ in Harlesiel mit knapp 20 Tiny Houses an der Nordsee folgten drei weitere am Wattenmeer in Hooksiel. 2020 startete die Vermietung mit einem Haus am Salemer See östlich von Hamburg, diese Saison kamen drei weitere dazu. Ein weiterer Standort in Osterode am Harz folgt im Juni 2022.

„Und im kommenden Jahr starten wir auf der Ostseeinsel Bornholm“, sagt Sadowsky. Die große Nachfrage hat ihm Mut gemacht und so plant er den Aufbau weiterer Tiny Houses in Thüringen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Für die Standorte hält Sadowsky bewusst Ausschau nach schönen Flecken in der Natur – abseits der stark frequentierten Regionen. „Ich habe bei der Suche sehr viele Ecken kennengelernt, die wunderschön sind und die ich vorher gar nicht kannte“, schwärmt er.

Green Tiny House
© Green Tiny Houses
Außenansicht eines Green Tiny House
Interior of a "Green Tiny House"
© Green Tiny Houses
Minimalismus ist ein Megatrend

Konzept kombiniert Nachhaltigkeit und Hightech

Für den Bau der Tiny Houses setzt das Elmshorner Unternehmen auf natürliche Materialien und Hightech: Jede Einheit mit 22 bis 24 Quadratmetern Fläche besteht aus Nadelhölzern, die in einem Dampfprozess ohne den Einsatz von Chemikalien gehärtet und so wetterfest gemacht wurden. „Das ist dann hart wie Eichenholz“, so der Tiny-House-Experte. Große Panoramafenster geben den Blick in die Natur frei, kleinere Fenster über der Schlaffläche in den Sternenhimmel. Die Wärmedämmung besteht aus Seegras aus der Ostsee und die Böden aus Naturkork. Geheizt wird mit einem mit Holz befeuerten Kaminofen, gekocht mit Gas.

„Jedes Tiny House ist mit einer Astronautendusche ausgestattet, die das gebrauchte Wasser live recycelt“, betont Sadowsky. Die Entwickler vom schwedischen Unternehmen Orbital setzen dazu auf ein ausgeklügeltes Filtersystem. 

Einmal benutztes Wasser werde dazu so schnell gereinigt, dass es nicht allzu sehr abkühlt. Insgesamt sollen im Vergleich zu herkömmlichen Duschen damit bis zu 90 Prozent des Wassers und 80 Prozent der Energiekosten eingespart werden können, so der Hersteller.

Tourismustrend Tiny House

„Wir haben die Green Tiny Houses am Salemer See massiv unterstützt und den Standort vermittelt“, sagt Günter Schmidt, Geschäftsführer Marketing und Service im Herzogtum Lauenburg. Der Tourismusexperte sieht darin einen guten Weg, um neue Übernachtungsformen jenseits von Ferienwohnung, Zelt und Wohnmobil zu etablieren. „Neben der ökologischen Nachhaltigkeit wollen wir im Tourismus auch eine soziale Nachhaltigkeit“, sagt Schmidt. Daher werden im nahen Bistro am Salemer See bevorzugt regionale Produkte angeboten. Das ist bewusst nicht immer ganz billig. „Doch die Menschen sollen davon leben und auch vernünftig bezahlt werden“, betont Schmidt.

Angebot soll breite Zielgruppe ansprechen

Auch die Übernachtungspreise in den Tiny Houses rangieren mit 120 bis 190 Euro pro Nacht deutlich über Campingplatzraten. „Sie werden von sehr unterschiedlichen Urlaubern gebucht: Opa mit Enkel, Paare oder auch Freundesgruppen“, berichtet Sadowsky. In Kürze will er am Salemer See verstärkt Wanderer:innen, Radurlauber:innen oder Paddler:innen mit etwas günstigeren und kleineren „Sleep Spaces“ ohne eigene Sanitärausstattung anlocken.
jol/tn/sb/kk