U-Space-Reallabor: Hamburger Hafen wird Drohnen-Testgebiet

Wie können Drohnen sicher in den Luftverkehr integriert werden? Hamburg treibt Zukunftstechnologie mit Pilotprojekt voran
21. Juli 2021
Drohne im Hamburger Hafen

Ob Baustelleninspektion, Verkehrsoptimierung oder Gewebetransport: Drohnen werden immer häufiger gewerblich genutzt. Mit der steigenden Anzahl gleichzeitiger Drohnenflüge wächst jedoch die Notwendigkeit, die unbemannten Luftfahrzeuge zu erfassen und koordinieren. Vor diesem Hintergrund entsteht über dem Hamburger Hafen nun das deutschlandweit erste Testfeld für einen Drohnen-Luftraum. Im Zuge des Pilotprojekts „U-Space-Reallabor“ soll bis November ein Verkehrssystem für Drohnen erprobt werden. An dem vom Bundesverkehrministerium mit 492.000 Euro geförderten Projekt sind die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation sowie die Deutsche Flugsicherung (DFS) und ihre Tochtergesellschaft Droniq beteiligt. Das Vorhaben ist Teil des Aktionsplans der Bundesregierung für Drohnen und Flugtaxis.

Drohnen-Tests über dem Hamburger Hafen

Die Pläne für das Projekt sehen einen U-Space, also ein räumlich abgegrenztes Luftraumelement, mit einer Größe von rund zehn Quadratkilometern vor, das sich über dem Hamburger Hafen bis westlich von Moorburg erstreckt. Vorgesehen sind Drohnenflüge bis zu einer Flughöhe von 150 Metern. Unter anderem sollen die Kommunikation zwischen Drohnen und anderen Luftverkehrsteilnehmern sowie die Organisation des Luftraums getestet werden. Als Basis für die Umsetzung des Reallabors dient das von der Deutschen Flugsicherung entwickelte Drohnen-Verkehrsmanagementsystem UTM.

Bis Ende Juli befindet sich das U-Space-Reallabor in der Planungsphase, die technische Umsetzung soll von August bis September erfolgen. Den Abschluss bilden sogenannte Flugwochen im Oktober, in denen mit praktischen Vorführungen gezeigt werden soll, wie ein U-Space funktionieren kann. Die Umsetzung des Reallabors erfolgt mit mehreren Projektpartnern, darunter die Hamburg Port Authority AöR (HPA), die HHLA Sky GmbH, die Behörde für Wirtschaft und Innovation Hamburg, Hamburg Aviation sowie das Projektkonsortium UDVeo. Das Projektvolumen beträgt insgesamt rund eine Million Euro.

U-Space: unbemannten Flugverkehr unter realen Bedingungen erproben

„Mit dem U-Space-Reallabor sehe ich die Möglichkeit, unter realen Bedingungen Potenziale eines neuen Luftverkehrs zu erproben und aktiv an seiner Entwicklung mitzuwirken“, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann. Klug angewendet böten Drohnen enorme Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft, so der Westhagemann weiter. Beispielsweise konnte in Hamburg 2020 mit dem Projekt Medifly aufgezeigt werden, dass der medizinische Gewebetransport per Drohne zwischen zwei Krankenhäusern effizient und sicher ablaufen kann.

In diesem Jahr soll die Grundlage für einen Regelbetrieb geschaffen werden. Jan-Eric Putze, CEO der Droniq GmbH, ergänzt: „Durch den U-Space lässt sich künftig nun auch im urbanen Raum das volle Potenzial von Drohnen in einem vorgegeben Rahmen nutzen. Für den unbemannten Flugverkehr ist das ein Meilenstein.“ Nach Abschluss der Testreihen über dem Hamburger Hafen sollen die Ergebnisse als Blaupause für die Einrichtung von regulären Drohnen-Lufträumen in Deutschland dienen.

Hamburg ist seit 2018 EU-Modellregion für Drohnen

Seit 2018 gehört Hamburg der EU-Initiative zur Förderung der Urban Air Mobility (UAM) an und gilt damit als offizielle Modellregion für die Erschließung ziviler Nutzungsmöglichkeiten von Drohnen- und anderen urbanen Luftverkehrstechnologien. Darüber hinaus ist der Themenbereich Urbaner Luftverkehr einer der Schwerpunkte des ITS-Weltkongresses, der vom 11. bis 15. Oktober 2021 in Hamburg stattfinden wird. Das Event gilt als weltweit größte Veranstaltung für intelligente Verkehrssysteme (Intelligent Transport Systems). Hamburg ist gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium Gastgeber. Die Veranstaltung fungiert als Beschleuniger der vom Senat verabschiedeten ITS-Strategie.
tn/sb/kk