Brexit: Was ändert sich für Hamburger Unternehmen?

Rund 1.000 hanseatische Firmen pflegen enge Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien. So geht es weiter
04. Februar 2020

Seit dem vergangenen Wochenende (31. Januar 2020) ist das Vereinigte Königreich kein Mitglied der Europäischen Union mehr. Nach Angaben von André Mücke, Vizepräses der Handelskammer Hamburg, werden Hamburger Unternehmen “zunächst wenig Veränderungen” in ihren Geschäftsbeziehungen ins Vereinigte Königreich spüren. Hierfür sorge ein bis zum 31. Dezember 2020 befristetes Übergangsabkommen. Unternehmen sollten sich jedoch – ob mit oder ohne Handelsabkommen – auf Veränderungen ab dem 1. Januar 2021 einstellen: „Ich empfehle daher den Hamburger Unternehmen, aber auch dem Senat, nicht untätig zu bleiben“, so Mücke in seiner Stellungnahme weiter. Momentan sei die Gefahr eines ungeregelten Brexits nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Spezielles Informationsangebot online

Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher zum Brexit: „Hamburg wird auch weiterhin ein gutes Verhältnis zu Großbritannien haben. Als Hafen- und Handelsmetropole ist das Vereinigte Königreich in Fragen des freien Welthandels ein wichtiger Partner.” Seit 2018 stelle sich die Hamburger Verwaltung, unter Leitung der Brexit-Koordinierungsstelle der Senatskanzlei, systematisch auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU ein. Auf einer speziellen Website können sich Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen des Brexits und den aktuellen Stand der Verhandlungen informieren.

Vereinigtes Königreich ist wichtiger Außenhandelspartner

Die Hamburger Wirtschaft ist traditionell eng mit dem Vereinigten Königreich verbunden: Nach Angaben der Handelskammer Hamburg pflegen rund 1.000 Hamburger Firmen enge Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien. Davon sind rund 200 Unternehmen permanent mit einer Niederlassung, einem Joint Venture, eine Vertretung oder einer Produktionsstätte vor Ort präsent.

Dabei gilt das Vereinigte Königreich als wichtiger Außenhandelspartner der Elbmetropole: Hamburg importierte 2018 Waren im Wert von rund 2,3 Milliarden Euro aus dem Vereinigten Königreich (Rang 6, hinter USA, China, Frankreich, Niederlande und Russland). Zu den wichtigsten Einfuhrgütern zählen Luftfahrzeugteile sowie Erdöl und -gas.

Im gleichen Jahr wurden von Hamburg aus Waren im Wert von etwa 4,2 Milliarden Euro geliefert, darunter vor allem Luftfahrzeugteile. Damit belegt der britische Handelspartner Platz 3 im Ranking der wichtigsten Hamburger Ausfuhrländer, nach Frankreich und China. Der Seegüterumschlag mit dem Vereinigten Königreich belief sich 2018 auf 3,8 Millionen Tonnen, dies entspricht 2 Prozent des gesamten Hamburger Seegüterumschlags. Darüber hinaus verzeichnete die Hansestadt 2018 rund 354.000 Übernachtungen von britischen Touristen. (Quelle: Senatskanzlei)
sb/kk